Geschichte der Abteilung

Die Geschichte der Abteilung spannt einen langen, etwas unterbrochenen Bogen von den Anfängen der Georg-August-Universität im 18. Jahrhundert bis heute. Schon in ihrer Gründungszeit wurde der Schweizer Albrecht Haller (später Albrecht von Haller; 1708–1777, in Göttingen 1736–1753) auf den Lehrstuhl für Anatomie, Chirurgie und Botanik berufen. Zu seinen botanischen Studien gehörten auch Flora und Vegetation der weiteren Umgebung der Universitätsstadt. So beschrieb er erstmals aus dem Harz eine Schaumkresse, die von Linné nach ihm als Arabis halleri (heute Arabidopsis halleri) benannt wurde. Haller gründete auch schon 1736 mit dem Hortus Medicus die Urzelle des Botanischen Gartens zwischen Stadtwall und Unterer Karspüle. Bei ihm und seinen Nachfolgern, zunächst noch mit der Medizin verbunden, stand die Erforschung der Flora im Vordergrund. Stärker der Vegetation zugewandt war dann vor allem August Grisebach (1814–1879, in Göttingen 1837–1879). Er schuf nicht nur für die Pflanzengeografie den Namen "Geobotanik" (1866), sondern gab auch in seinem zweibändigen Werk über "Die Vegetation der Erde nach ihrer klimatischen Anordnung" (1872) eine erste umfassende und globale Vegetationsübersicht. Später folgten in Göttingen weitere bekannte, der  Geobotanik zugewandte Wissenschaftler wie Oskar Drude (1852–1933), Albert Peter (1853–1937), Theodor Schmucker (1894–1970).

Stärker im Blickfeld und eigenständiger entwickelte sich die Geobotanik in Göttingen nach dem 2. Weltkrieg. 1946 wurde Franz Firbas (1902–1964) als Professor berufen, seit 1952 auch Direktor des neu geschaffenen Systematisch-Geobotanischen Instituts. Er war bereits 1937–1940 in Göttingen tätig, betreute als apl. Professor u. a. die Doktorarbeit von Heinz Ellenberg (1939). 1955 bezogen die Botanischen Anstalten den großen Neubau in der Unteren Karspüle 2. Franz Firbas hatte seinen Forschungsschwerpunkt zwar in der Historischen Geobotanik (Vegetationsgeschichte), vertrat aber auch die anderen Gebiete der Geobotanik, darunter die Vegetationskunde mit Arbeiten seiner Schüler in der weiteren Umgebung von Göttingen. Eine kleine Zäsur nach seinem Tode (1964) überbrückte sein Assistent Reinhard Bornkamm.

Mit der Berufung von Heinz Ellenberg (1913–1997) auf den Lehrstuhl für Geobotanik und als Direktor des Systematisch-Geobotanischen Instituts begann eine Blütezeit der Geobotanik in Göttingen. Als universeller Gelehrter und begeisternder Hochschullehrer konnte er noch die ganze Breite des Faches in Forschung und Lehre vertreten. Schwerpunkte lagen in der Pflanzenökologie und in der von ihm mitbegründeten interdisziplinären Ökosystemforschung. Als Schüler von u. a. Josias Braun-Blanquet und Reinhold Tüxen hatte er aber auch engen Bezug zur Pflanzensoziologie, schon frühzeitig ausmündend in sein umfassendes Werk über „Die Vegetation Mitteleuropas“ (1963), noch heute in 6. Auflage (mit Christoph Leuschner 2010) das einzigartige Standardwerk. Sowohl ökologische als auch vegetationskundliche Themen sind auch im (Neuen) Experimentellen Botanischen Garten vertreten, den Ellenberg seit 1966 im Nordbereich der Universität plante und anlegte.  

Zu den ersten wissenschaftlichen Assistenten Ellenbergs gehörten Hartmut Dierschke, Michael Runge und Fred-Günter Schroeder. Unter der lockeren Führung ihres Lehrers konnten sie eigene Arbeitsrichtungen entwickeln. Nach seiner Emeritierung (1981) entstanden hieraus eigene, sich verselbständigende Arbeitsgruppen. Hartmut Dierschke gehörte zu den letzten Schülern von Reinhold Tüxen und vertrat vor allem die Pflanzensoziologie in Lehre und Forschung, auch niedergelegt in seinem Lehrbuch "Pflanzensoziologie" (1994). In zahlreichen Diplom- und Staatsexamensarbeiten wurden vor allem viele Gebiete Mitteleuropas mit Schwerpunkt Nordwestdeutschland pflanzensoziologisch erforscht, in Dissertationen auch größere Gruppen von Pflanzengesellschaften analysiert und ökolologisch interpretiert. Die ersten Arbeitsräume besaß die Arbeitsgruppe im Neuen Botanischen Garten, später im Praktikumsgebäude an der Wilhelm-Weber Straße. Aus dieser Arbeitsgruppe entstand im Zuge der Neuordnung der gesamten Botanik im Albrecht-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften (1997) eine eigenständige Abteilung für Vegetationskunde und Populationsbiologie unter Leitung von Hartmut Dierschke. Schon 1984 hatte die Gruppe in der "Villa" am Rande des Alten Botanischen Gartens in der Wilhelm-Weber-Str. 2 (ehemals Wohnhaus von u. a. Franz Firbas) das Erdgeschoss bezogen. Wissenschaftliche Mitarbeiter waren in Folge Cord Peppler, Helge Bruelheide, Marcus Schmidt und Bettina Günzl.

Nach dem Ausscheiden von Hartmut Dierschke (2002) wurde als Nachfolger Erwin Bergmeier als neuer Leiter der umbenannten Abteilung für Vegetationsanalyse und Phytodiversität berufen (2003). Erste wissenschaftliche Mitarbeiterin war Heike Culmsee, gefolgt von Florian Goedecke und Inga Schmiedel. 2005 zog die Abteilung in das Hauptgebäude in der Unteren Karspüle 2, seit 2016 hat sie ihren Sitz in der Unteren Karspüle 1a. Seit 2015 ist der Alte Botanische Garten der Abteilung angeschlossen.

Damit schließt sich der über 280 Jahre führende Bogen einer langen geobotanischen Tradition. Im Laufe dieser Zeit hat die sich in Göttingen entwickelnde Geobotanik große Einflüsse auf ihre Gesamtentwicklung ausgeübt, teilweise mit weltweiter Geltung. Ihre historisch begründete fachlich und organisatorisch differenzierte Gliederung in mehrere Abteilungen ist heute an deutschen Universitäten einzigartig.